An unserem letzten Dienstabend erhielt der Löschzug 1 der Angermünder Feuerwehr einen überraschenden und sehr erfreulichen Besuch.
Das Ehepaar Toll, sammelt schon seit einigen Jahren Spenden für verschiedenste Vereine und Organisationen in und um Angermünde.
Dazu legen Sie schon während der Vorweihnachtszeit in Ihrer „Hirsch-Apotheke“ und „Alten-Apotheke“ nicht nur die Spendenbox aus, auch können Ihre Kunden Jahreskalender für das folgende Jahr erwerben.
Von dem Verkaufserlös werden die Produktionskosten gedeckt und anschließend geht der Reinerlös ebenfalls in den Spendentopf.
Bereits im Januar besuchte uns das Team aus der Rudolf-Breitscheid-Straße und der Rosenstraße um den Entschluss zu verkünden, dass der diesjährige Spendenerlös der Angermünder Feuerwehr zu gute kommen soll.
Das Ehepaar Toll betonte explizit, dass die Spendenbereitschaft der Angermünder für die Feuerwehr sehr hoch war. Dies freut uns als freiwillige Brandschützer natürlich erheblich. Wir können somit bestätigen, dass die gesamte Spendensumme in Höhe von 1525,- € bei uns eingegangen ist.
Liebe Frau und Herr Toll, wir möchten uns für Ihren persönlichen Einsatz diesbezüglich auch auf diesem Wege erneut bedanken. Auch möchten wir uns bei allen Spendern herzlich bedanken, dies motiviert uns deutlich unsere Freizeit für das Ehrenamt in der Freiwilligen Feuerwehr zu opfern.
Wie diese Summe letztlich verwendet werden wird, steht derzeit noch nicht genau fest. Doch der Bedarf ist generell da. Viele Gedanken gibt es schon, wir müssen uns nur noch auf den dringlichsten einigen.
2019 - wir nähern uns mit großen Schritten dem Dekadenwechsel. Zeit um das Einsatzjahr 2018 Revue passieren zu lassen. Das Jahr 2018 prägte ebenso wie das Jahr 2017, durch seine Witterungslage die Einsätze. 2017 war hauptsächlich durch Unwetterlagen gekennzeichnet, im krassen Gegenzug dazu erlebten wir im Jahr 2018, bedingt durch einen extrem heißen und trockenen Sommer, ein prägendes Waldbrandjahr und dies betraf nicht nur uns, ganz Brandenburg und Deutschland, diese Waldbrände wüteten in ganz Europa.
Unvergessen ist der Einsatz der Waldbrandeinheit des Landkreises Uckermark, bei der Waldbrandbekämpfung in Treuenbrietzen. Mit über 36 Einsatzstunden war dies der längste und kräftezehrendste Einsatz für uns.
Doch genug der einleitenden Worte, kommen wir zu der Einsatzstatistik 2018. Hierzu möchte ich vorher erwähnen, dass ein statistischer Vergleich (auch wenn von mir gleich praktiziert) nur in einigen Punkten aussagekräftig ist. Denn erstmalig betrachten wir die komplette Statistik der Angermünder Feuerwehr. Die Jahre zuvor bezog sich nur auf den Löschzug 1.
Wie die Jahre zuvor die wichtigsten Zahlen zuerst. Leider kam im Jahr 2018 für 2 Personen unsere Hilfe zu spät, glücklicherweise ist dies eine Abnahme von 71,4 % zu 2017. Gleichzeitig gelang es uns 34 Personen aus lebensbedrohlichen Zwangslagen zu retten. Damit konnten wir unsere Erfolgsquote um erstaunliche 325 % zu 2017 steigern. Diese Steigerung ist hauptsächlich einem deutlichen Anstieg an Türnotöffnungen zu verdanken.
Das Jahr 2018 forderte uns mit insgesamt 200 Einsätzen und liegt somit im gewohnten Durchschnitt.

Ungewöhnlich ist jedoch die Einsatzverteilung, während die Monate Januar bis März noch einen „normalen“ Einsatzverlauf aufwiesen und traditionell zu den einsatzschwächeren Monaten zählten, stieg das Einsatzaufkommen danach sprunghaft an und erreichte im Juli sein Jahreshoch. Der Sommer war geprägt von Brandeinsätzen unterschiedlichster Natur. Beispielhaft sei der Einsatz 105/18
erwähnt, welcher mit einer Einsatzdauer von 13 Stunden, der längste Einsatz des Jahres in unserem Ausrückebereich war. Erst im Oktober stellte sich wieder eine Ruhe ein und wir konnten etwas durchschnaufen.
Wie Brand lastig das Jahr 2018 war, zeigt die Gegenüberstellung der Brandeinsätze gegen die technischen Hilfeleistungen:

Ganze 86 Brandbekämpfungen stehen „nur“ 127 technischen Hilfestellungen gegenüber. Auch wenn wir 12-mal zu Alarmen durch Brandmeldeanlagen, welche zu den Brandeinsätzen zählen ausrücken mussten, ist das Jahr 2018 doch deutlich „heißer“ gewesen wie die Vorjahre.

Besonderen Anteil hatten dabei die Flächenbrände, welche insbesondere unsere Regionale Landwirtschaft schwer beutelten, aber auch etliche Waldbrände und sogar Gefahrgutbrände stellten die Einsatzkräfte vor ungewohnte Herausforderungen.
Dem gegenüber stehen die technischen Hilfeleistungen.

Hierzu ließ sich ein erheblicher Anstieg an Ölbekämpfungen verzeichnen. Insgesamt mussten wir 32-mal Ölspuren im Stadtgebiet beseitigen. Hoffen wir, dass sich dieser Trend nicht fortsetzt. Der Schwerpunkt der Alarme, lag wie bereits im Vorjahr auf den Tagesstunden.

Dies wirft im Hinblick auf weiter sinkende Tagesausrückebereitschaften leider weiterhin Probleme auf. Hier sei erneut erwähnt, dass wir weiterhin Personal suchen. Jede Hand hilft! Kommt einfach an einem Donnerstag zum Gerätehaus im Nordring 2, ab 19 Uhr ist definitiv jemand da um Fragen zu beantworten.
Abschließend möchte ich noch auf die Einsatzverteilung zwischen den einzelnen Löschzügen eingehen. Hierbei wurde der Löwenanteil vom Löschzug 1 abgearbeitet, gefolgt vom Löschzug 4 und 3. Die Kameraden des Löschzuges 2 hatten ein eher ruhiges Jahr.

Doch bitte beachtet, dass die Löschzüge sich gegenseitig unterstützen und wundert euch somit nicht, dass als Summe der Einsatzzahlen der Löschzüge nicht 200 erreicht wird. Das letzte Bild stellt alle einzelnen Einsätze der jeweiligen Löschzüge dar und ist somit statistisch nicht bereinigt.
Nun bleiben nur noch die nackten Zahlen zu erwähnen. Im Jahr 2018 befanden wir uns 283 Stunden im Einsatz, bei einer durchschnittlichen Personalstärke von 25 Einsatzkräften und einer durchschnittlichen Einsatzdauer von 86 Minuten, wurden somit unglaubliche 10140 Manneinsatzstunden erbracht. Dies ist eine unglaubliche Leistung, immerhin sind wir eine freiwillige Feuerwehr. In diesem Sinne: UNSERE FREIZEIT FÜR EURE SICHERHEIT.
Am 13.12.2018 schloss unser Kamerad Bernd Wagner nach kurzer, aber schwerer Krankheit für immer seine Augen.
Bereits mit 19 Jahren trat Bernd der Angermünder Feuerwehr bei und durchlebte sehr turbulente Zeiten in seiner Dienstzeit. Denn gerade die 50er und 60er Jahre waren, wie auch die 90er, von einem erheblichen gesellschaftlichen Wandel geprägt. In den Jahren 1966 – 1967 übernahm Bernd den Posten des Wehrleiters, welcher mit dem heutigem Stadtbrandmeister vergleichbar ist. Seinem Einsatz und Engagement ist es zu verdanken, dass die Jugendfeuerwehr als eigenständige Abteilung gegründet werden konnte.
In den zahllosen Einsätzen, die Bernd in seiner aktiven Zeit bewältigen musste, war nicht nur sein Erfahrungsschatz gern gesehen. Seine Einsatzbereitschaft, seine Charakterstärke, seine Verlässlichkeit und Vertrauenswürdigkeit zeichneten Ihn aus. Er war jemand, mit dem man sprichwörtlich durchs Feuer gehen konnte. Seine persönliche Ausgeglichenheit kam ihm auch in den Wendejahren zu Gute. Hier engagierte er sich zunehmend im Uckermärkischen Feuerwehrverband Angermünde e.V. So übernahm er in der Zeit von 1995 bis 2003 einen Posten im Vereinsvorstand. Er war ebenfalls Gründungsmitglied der Feuerwehrgesellschaft von 1865 zu Angermünde e.V
Während seiner 60-jährigen Dienstzeit in der Angermünder Feuerwehr stand er allezeit gern mit Rat und Tat den jüngeren Kameraden zur Verfügung. Insbesondere dem Wettkampfsport der Feuerwehren fühlte er sich verpflichtet.
Als Dank für sein Werk und seine Einsatzbereitschaft wurde er am 25.10.2008 durch eine Eintragung in das Goldene Buch der Stadt Angermünde geehrt. Im Dezember 2018 wurde ihm für sein beständiges langjähriges Engagement vom Brandenburger Innenminister die Treuemedaille am Tag des Ehrenamts verliehen.
Wir möchten auch auf diesem Wege den Angehörigen unser tief empfundenes Beileid ausdrücken.
Feuer ist nützlich, solang der Mensch es kontrollieren kann. Es spendet Wärme, Licht und sorgt meist dafür, dass die Kuh etwas schmackhafter wird.
Doch weh uns, der Mensch verliert die Kontrolle, dann zeigen die Flammen ihr hässliches Gesicht und bedrohen nicht nur das Eigentum, sondern auch Leib und Leben.
Für diese Notfälle gibt es die Feuerwehr. Doch Hand aufs Herz man macht sich schon Sorgen um seine Liebsten und natürlich auch um den Haus- und Hofstand und plötzlich kommen auch noch Aliens daher. Hörbar schwer Atmend, ähnlich Darth Vader, schreiend und schiebend kommen sie näher. Dies alles ist ein angsteinflößendes Szenario, beängstigend für jeden Menschen um nicht sogar zu sagen überfordernd. Nun reagiert nicht jeder Mensch gleich, aber es gibt Menschen die anfälliger für Panikreaktionen sind als andere. Kinder und Menschen mit speziellen Bedürfnissen gehören dazu. Sie neigen zu einem Fluchtverhalten und verstecken sich gern in solchen bedrohlichen Situationen. Getreu dem Motto: „sehe ich die Monster nicht, sehen die mich auch nicht.“
Das ist eine normale psychologische Schutzhaltung und die Einsatzkräfte der Feuerwehr können sich in gewissen Punkten, darauf einstellen. Dennoch ist ein solcher Einsatz für beide Seiten eine enorme Herausforderung. Auch aus katastrophalen Ereignissen der Vergangenheit, hier sei an die 14 verstorbenen aus Titisee-Neustadt erinnert, lassen sich Lehren ziehen. Beim Umgang mit geistig behinderten Menschen ist die „Gewöhnung“ sehr wichtig. Diese Personen sind an einen speziellen Tagesablauf, an ihre Betreuer und an ihre Umgebung gewöhnt. Dies alles gibt ihnen Sicherheit, jeder Störfaktor kann Panik auslösen. Daher ist es wichtig, diese Menschen an die Feuerwehr zu gewöhnen, nicht an die einzelne Einsatzkraft, aber an die Uniform und unsere Geräusche. Es ist wichtig ihnen zu erklären: „Wir sind nicht die Monster, wir helfen euch“. Dies haben wir im Zuge einer erweiterten Ausbildung am 03.11.2018 im Wohnheim der Lebenshilfe für Menschen mit geist. Behinderung e.V. in der Klosterstraße zu erreichen versucht. Dabei stand nicht nur die Gewöhnung und ein Verhaltenstraining der Bewohner auf dem Programm, auch unsere Einsatzkräfte konnten viele neue Erfahrungen gewinnen. Nicht nur, dass das Gebäude an sich schon eine harte Nuss darstellt, auch wir müssen uns an die Bewohner gewöhnen. Zudem wurde erstmal ein solcher Einsatz im Zusammenwirken mit der SEE Komponente des Katastrophenschutzes. Hierbei steht SEE für Schnell-Einsatz-Einheit und gehört zur MTF, also zur Medical Task Force. Anglizismen schleichen sich ja immer wieder in die deutsche Sprache ein, aber diesmal klingt es auch noch gut. Für die SEE Angermünde, gilt by the way (ha ich kann das auch) das gleiche wie für die Angermünder Feuerwehr: Neue Gesichter sind immer gern gesehen. Wer also mehr mit Kompressen und Pflastern, als mit C-Rohr und Spreizer anfangen kann…. Wir stellen den Kontakt zur SEE gerne her. Auch auf diesem Wege möchten wir uns bei den Jungs und Mädels in Rot nochmals bedanken, die Zusammenarbeit mit euch ist nicht nur von Professionalität, sondern auch von Humor und Spaß gekennzeichnet (alles zu seiner Zeit versteht sich).